Kunst · Gessopalena
La Morgia und „Orizzonti“
Ein Felsen, den der Sage nach Samson auf der Schulter hertrug. 1997 hat Costas Varotsos seine Wunde mit Glasscheiben gefüllt.
Die Geschichte
Zwischen Torricella Peligna und Gessopalena fällt eine riesige Felsmasse auf, die die Landschaft überragt: sie heißt La Morgia. Den Sagen nach war sie ein Sporn der Maiella, den der biblische Held Samson mit seiner übermenschlichen Kraft auf der Schulter bis an seinen heutigen Platz getragen haben soll. Danach urinierte Samson und gab so dem Fluss Aventino sein Leben. Die Gestalt Samsons ist nichts anderes als die christliche Übertragung des Herkules, des mythischen heidnischen Helden, der in diesem Land der Hirten und Bauern hoch verehrt wurde.
La Morgia wurde zudem bis in die Nachkriegszeit als Kalksteinbruch genutzt; mit dem Stein wurden zahlreiche von den Deutschen zerstörte Häuser wiederaufgebaut.
Eine Wunde mit Glas füllen
1997 zog La Morgia die Aufmerksamkeit des griechischen Künstlers Costas Varotsos auf sich, der sie als Ort für sein Werk „Orizzonti“ (Horizonte) wählte. Am Ende des Felsens klafft ein Bruch, verursacht von Sprengungen für den Steinabbau: der Künstler füllt den leeren Raum mit Glasscheiben und schafft so eine Wand, die der Witterung standhält. Das Ergebnis ist ein umgekehrtes Dreieck in Blaugrün.
Das Glas bricht das Licht je nach Blickwinkel, nach Stand von Sonne oder Mond, nach Wetter und nimmt dabei unterschiedliche Erscheinungen und Farben an: grün, blau, leuchtend, farblos. In der Vorstellung der Abruzzesen wird es zum Sinnbild einer Region, die zugleich aus Meer und Gebirge, aus Himmel und Erde besteht.
Costas Varotsos
Costas Varotsos wurde 1955 in Athen geboren. 1976 schloss er die Kunstakademie in Rom ab, 1978 das Architekturstudium an der Universität Pescara. Im Lauf seines Lebens erhielt er zahlreiche Auszeichnungen für Werke, die heute über die ganze Welt verstreut sind, und ist Professor an der Aristoteles-Universität Thessaloniki. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört „L'Approdo“ (Die Landung), 2012 in Otranto entstanden und den Migranten gewidmet, besonders jenen, die beim Untergang des albanischen Patrouillenboots am 28. März 1997 ums Leben kamen: das Werk entstand aus einem der Wracks.
Bilder
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