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Ecomuseo Sangro · Aventino
Orangenbeladene Zweige in einem Garten an der Küste

Natur · Rocca San Giovanni, San Vito Chietino, Vasto

Die letzten Orangenhaine der Küste

Orangengärten, seit dem 15. Jahrhundert im Freiland angebaut, überlebten eine kleine Eiszeit und die sizilianische Konkurrenz.

Wegbeschreibung

Die Geschichte

Der Beginn des Orangenanbaus in den Abruzzen lässt sich auf das 13. und 14. Jahrhundert datieren. Zu den ersten bekannten Belegen für eigens angelegte Zitrusgärten in unserer Region gehört eine Notariatsurkunde von 1442 aus dem Gebiet von Vasto. In der Renaissance beginnt sich diese Anbauform auch hier auszubreiten, dank des Interesses einiger Lehnsgeschlechter – vor allem der Acquaviva und der D'Avalos –, adliger und bürgerlicher Familien und kirchlicher Einrichtungen.

Die kleine Eiszeit

Der Zitrusanbau an der Adriaküste erlitt mit der Klimakrise des 17. Jahrhunderts, der „kleinen Eiszeit“, einen schweren Rückschlag. Die niedrigen Wintertemperaturen zerstörten alle Orangenhaine an der Küste und ließen die Zedratzitrone an der Küste von Vasto, im Ortsteil Vignola, verschwinden: die Zedratzitrone gehört wie die Zitronen zu den frostempfindlichsten Zitrusfrüchten.

Im Lauf des 18. Jahrhunderts, mit der allgemeinen Besserung des Klimas, breitet sich die Orange wieder aus, wenn auch die eisigen Winter von 1929 und 1956 Spuren hinterlassen. Was den Anbau diesmal aber vor allem zurückwirft, ist der Bau des Eisenbahnnetzes, das den stark wachsenden sizilianischen Orangen den Weg bahnt.

Wo sie heute stehen

In den Abruzzen wurden und werden Zitrusfrüchte im Freiland angebaut, ohne Mauerwerk. Die letzten Zeugnisse finden sich an der Küste von Vasto und im Streifen zwischen Rocca San Giovanni und San Vito Chietino, nach Norden hin bis Ortona. In Vasto haben die Orangengärten in den kleinen Tälern überlebt, die sich zum Meer öffnen; im Gebiet von Rocca San Giovanni sammeln sich die verbliebenen Zitrusgärten im Weiler Vallevò, geschützt von hohen Lorbeerhecken und Schilfwänden.

Aus den zahlreichen Quellaustritten wird das Wasser geleitet und in Becken gesammelt: um jeden Baum hebt man kleine runde Mulden aus, „bacili“ genannt, die das im Sommer nötige Wasser halten. Durch diese Gärten zu gehen heißt, den Düften ausgeliefert zu sein und sich an den Kontrasten zu freuen – am Dunkelgrün und am Orange der Zitrusfrüchte, am Hellgrün der Salate und am Rot der Tomaten. Man scheint zwischen dem Grün der Erde und dem Blau des Meeres zu schweben.

Bilder

Ein Olivenhain mit Zitrusbäumen dazwischen, im Küstenstreifen
Mediterrane Vegetation an der Küste, mit Dunst über dem Meer